Carotis-sinus Reflex

Regelmechanismus des Blutdrucks am Hals.

Entlang den Halsschlagadern auf beiden Seiten verlaufen beim Menschen Sensoren für den Blutdruck, die über einen Regelkreis dafür sorgen, dass bei einem Druck über dem Sollwert der Blutdruck herunter geregelt wird. Diese Rezeptoren können auch durch Druck von außen, z.B. durch Würgespiele, Schlingen oder auch nur einen festen Griff an die Halsvorderseite aktiviert werden, was zu einem reflexartigen Abfall des Blutdrucks führen kann.

Der Bewusstseinsverlust tritt sofort ein, es kommt nicht, wie oft fälschlich angenommen, zu einem Abfall der Sauerstoffversorgung im Gehirn, sprich, einem “Schwarz-Werden” vor den Augen. Ähnlich wie das reflexartige Zurückziehen der Hand von einer heißen Herdplatte gibt es de facto kein Zeitintervall zwischen Aktivierung des Reflexes durch Druck auf die Halsvorderseite und Verlust des Bewusstseins.

Ist der Betroffene nicht in der Lage, in eine waagerechte Position zu fallen (zB. beim Hängen in einer Schlinge oder sonstiger Fesselung), besteht akute Lebensgefahr. Er selbst kann sich auf keinen Fall alleine befreien.

Ebenso kann es im schlimmsten Fall zu einem kompletten Kreislaufversagen mit sofortigem Herzstillstand kommen.

VICSS

VICSS Konzept

Die Abgrenzung zu beziehungsinternem sexuellem Missbrauch und/oder häuslicher Gewalt kann für unkundige Außenstehende schwierig sein, insbesondere wenn sadomasochistische Praktiken aufgrund ihrer Art (Fesselung, Spanking, Vergewaltigungsspiele) scheinbar gegen den Willen des passiven Partners durchgeführt werden. Um diese Abgrenzung zu ermöglichen, haben verschiedene Organisationen (The National Leather Association, The Dutch BDSM Media Information Center, The POWERotics Foundation) gemeinsam das VICSS Konzept formuliert.

  • Voluntary (freiwillig):
    Alle am EPE beteiligten Partner sollten die Entscheidung freiwillig und ohne Zwang treffen. Manchmal ist der Zwang nicht offensichtlich, insbesondere dann, wenn einer der Partner wirtschaftliche oder soziale Konsequenzen zu erwarten oder zu befürchten hat, solange er oder sie den Wünschen des Anderen nicht zustimmt. Sobald sich einer der Partner in seiner Entscheidung nicht frei fühlt, handelt es sich um Zwang.
  • Informed (informiert, sachkundig):
    Alle beteiligten Partner sollten ihre Entscheidung aufgrund korrekter Informationen treffen und in der Lage sein, Situation und Konsequenzen der Entscheidung abzuschätzen. Dabei darf kein Zweifel daran bestehen, dass die Auswirkungen der Entscheidung klar sind.
  • Consensual (einvernehmlich):
    Alle Partner sind mit dem, was geschieht oder geschehen soll, einverstanden und haben die Möglichkeit, frühere Entscheidungen mit aktuellen Gefühlen, Reaktionen oder für sie wichtigen Informationen abzugleichen.
  • Sane (vernünftig):
    Entscheidungen hinsichtlich EPE sollten mit klarem Kopf gefällt werden. Entscheidungen, die aufgrund von Drogen-, oder Alkoholmissbrauch oder übereilt getroffen werden, sind nicht einvernehmlich.
  • Safe (sicher):
    Alle Handlungen sollen sowohl physisch als auch psychisch sicher sein. Zieht man risikoreiche Praktiken in Betracht bzw. bewegt man sich in Grenzbereichen (EdgePlay), sollen alle Beteiligten über die möglichen Risiken, Folgen und Auswirkungen informiert sein.

Sobald eine der genannten Voraussetzungen nicht erfüllt ist, gilt das VICSS-Konzept als nicht erfüllt, und nach dieser Definition liegt dann Missbrauch vor. In einer EPE beinhaltenden Beziehung ist die Abgrenzung zwischen Missbrauch und EPE insbesondere bei länger andauernden Beziehungen schwierig und erfordert immer wieder ein kritisches Hinterfragen und Bewerten der Praktiken und des Zusammenhangs, in dem die Praktiken verwendet werden.