VICSS

VICSS Konzept

Die Abgrenzung zu beziehungsinternem sexuellem Missbrauch und/oder häuslicher Gewalt kann für unkundige Außenstehende schwierig sein, insbesondere wenn sadomasochistische Praktiken aufgrund ihrer Art (Fesselung, Spanking, Vergewaltigungsspiele) scheinbar gegen den Willen des passiven Partners durchgeführt werden. Um diese Abgrenzung zu ermöglichen, haben verschiedene Organisationen (The National Leather Association, The Dutch BDSM Media Information Center, The POWERotics Foundation) gemeinsam das VICSS Konzept formuliert.

  • Voluntary (freiwillig):
    Alle am EPE beteiligten Partner sollten die Entscheidung freiwillig und ohne Zwang treffen. Manchmal ist der Zwang nicht offensichtlich, insbesondere dann, wenn einer der Partner wirtschaftliche oder soziale Konsequenzen zu erwarten oder zu befürchten hat, solange er oder sie den Wünschen des Anderen nicht zustimmt. Sobald sich einer der Partner in seiner Entscheidung nicht frei fühlt, handelt es sich um Zwang.
  • Informed (informiert, sachkundig):
    Alle beteiligten Partner sollten ihre Entscheidung aufgrund korrekter Informationen treffen und in der Lage sein, Situation und Konsequenzen der Entscheidung abzuschätzen. Dabei darf kein Zweifel daran bestehen, dass die Auswirkungen der Entscheidung klar sind.
  • Consensual (einvernehmlich):
    Alle Partner sind mit dem, was geschieht oder geschehen soll, einverstanden und haben die Möglichkeit, frühere Entscheidungen mit aktuellen Gefühlen, Reaktionen oder für sie wichtigen Informationen abzugleichen.
  • Sane (vernünftig):
    Entscheidungen hinsichtlich EPE sollten mit klarem Kopf gefällt werden. Entscheidungen, die aufgrund von Drogen-, oder Alkoholmissbrauch oder übereilt getroffen werden, sind nicht einvernehmlich.
  • Safe (sicher):
    Alle Handlungen sollen sowohl physisch als auch psychisch sicher sein. Zieht man risikoreiche Praktiken in Betracht bzw. bewegt man sich in Grenzbereichen (EdgePlay), sollen alle Beteiligten über die möglichen Risiken, Folgen und Auswirkungen informiert sein.

Sobald eine der genannten Voraussetzungen nicht erfüllt ist, gilt das VICSS-Konzept als nicht erfüllt, und nach dieser Definition liegt dann Missbrauch vor. In einer EPE beinhaltenden Beziehung ist die Abgrenzung zwischen Missbrauch und EPE insbesondere bei länger andauernden Beziehungen schwierig und erfordert immer wieder ein kritisches Hinterfragen und Bewerten der Praktiken und des Zusammenhangs, in dem die Praktiken verwendet werden.

 

Violet Wand

Zu deutsch violetter Stab

Spielzeug aus dem Bereich Elektrosex, Reizstrom.

Der Violet Wand besteht aus Glas und dient zur Verabreichung hochfrequenter Wechselströme mit sehr hoher Spannung und niedriger Stromstärke, indem das Gerät nah an den Körper gehalten wird. Der direkte Kontakt zur Haut kann zu leichten Verbrennungen führen, da sich das Glas bei der Anwendung erhitzt.

Die Violet Wand stammt aus der Medizin des frühen zwanzigsten Jahrhundert und erfreut sich bei Sammlern historischer Geräte großer Beliebtheit, da durch die Abgabe von UV-Strahlung ultra-violett erzeugt wird, macht es auch im BDSM großen Eindruck und der Effekt sieht toll aus.

Die von der Firma Tesla entwickelte Violet Wand darf niemals bei Menschen Anwendung finden, die einen Herzschrittmachern, Insulinpumpen oder ähnlichen elektrischen Implantaten tragen oder sonstige Herzerkrankungen aufweisen. Ebenso sollte man auf eine Anwendung oberhalb des Halses verzichten. Die Nutzung an Schleimhäuten ist potenziell gefährlich und insbesondere an den Augen generell abzulehnen. Bei längerer Verwendung an der gleichen Körperstelle kann es zu Rötungen und Verbrennungen des Gewebes kommen. Die Geräte können bei längerer Benutzung überhitzen, ihre Funken brennbare Flüssigkeiten entzünden. Die Geräte sind häufig nicht verpolungssicher, zur Erhöhung der Sicherheit kann ein Fehlerstromschutzschaltern bzw. ein Trenntransformator verwendet werden, aber beide Methoden sind mit massiven Restrisiken behaftet. Daher ist ein netzunabhängiger Betrieb auf Basis von Batterien oder Akkus dringend zu empfehlen. Bei Anwendung im Körperinnern besteht eine erhebliche Gefahr, dass die verwendete Glas-Sonde zerbricht.

Violet Wands erzeugen geringe Mengen ultravioletten Lichtes. Sie werden daher auch Ultraviolettstäbe genannt. Die im Inneren erzeugte UV-Strahlung wird weitgehend durch die Glaswand absorbiert und kann so keinen Sonnenbrand auf der Haut verursachen. Durch externe Vorentladungen an den Glaselektroden bilden sich geringe Mengen an Ozon und Stickoxide, sodass Ozon-Geruch entsteht.