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Das zweite Buch: Tanz in Schwarz

 

1. Billige Anmache

Es war Elly erwartungsgemäss nicht leichtgefallen, das Wochenende für unseren aussergewöhnlichen Ausflug nach Paris frei zu kriegen. Ihr krankhaft eifersüchtiger, aber in gleich katastrophalem Ausmass erotikuntauglicher Ehemann war immer eine Hürde, auch wenn sie inzwischen dank der Wiederaufnahme ihrer beruflichen Tätigkeit ein oder zwei Gründe vorschieben konnte. Die Zeit bis dahin dauerte, doch ich sah das Positive daran: Der Frühling würde bis dann richtig da sein und den Aufenthalt im zugigen Paris angenehmer gestalten… und ausserhalb der Stadt auch. Elly hatte noch keinerlei Anweisungen erhalten – die Fahrt ins Ungewisse sollte ihre Aufregung Stufe um Stufe steigern. Vielleicht erwartete sie, dass ihr Puls sich nur langsam steigern würde, je näher sie Paris kommt. 

Doch ich hatte ganz andere Pläne.

In diesem Moment, in Gedanken an dieses wunderbare Geschöpf und was auf uns wartete, fühlte ich mich richtig glücklich. Oft hatte ich mich zuvor gefragt, ob mein Entschluss, alleine zu leben und mich der Damenwelt nur in einem bestimmtem Rahmen zuzuwenden, der Richtige sei. Aber ich genoss die Freiheit zu sehr, um mich noch einmal in die Fesseln einer Partnerschaft zu begeben, mich zu beschneiden in meiner Spontaneität, die mein Wesen so sehr ausmachte – auch wenn mir Elly ab und zu fehlte. 

Nicht nur ab und zu, eigentlich. 

Doch sie war eine Ausnahme und stand nicht für mehr zu Verfügung, als sie mir schon gab. Nie hätte ich gewollt, dass sie sich meinetwegen von ihrem Mann trennen würde. In einem stillen Moment, als wir über die weitere Zukunft sprachen und sie – noch immer im Endorphinrausch schwebend – verschiedene, fantasievolle Szenarien entwarf, hatte ich ihr gesagt: «Du musst wissen, ein Leben mit mir ist ein Leben allein.» Meinen Drang nach Unabhängigkeit würde ich nie aufgeben, und sie würde nur enttäuscht sein. Bereuen, was sie hinter sich lässt und unweigerlich wieder die Nähe zu jemandem suchen, der ihr die Aufmerksamkeit gibt, die sie auch ausserhalb der Sessions braucht. Die Wertschätzung.

Aufgrund meiner freiberuflichen Tätigkeit hatte ich immer wieder Kontakt mit unterschiedlichen Frauen, auch solchen, die sich mir manchmal indirekt, oftmals aber auch fast plump anboten – so wie neulich die Assistentin eines Geschäftsführers.

Sie war just dann in das mir zu Verfügung gestellte Büro eingetreten, nachdem es der letzte Kollege verlassen hatte. Verena hiess sie, und in ihrem knapp geschnittenen Business-Anzug kam ihre üppige Oberweite besonders zur Geltung. Lässig, aber ungebeten liess sie sich am Ende meines Pultes nieder und schlug ihre Beine übereinander. Mit ihrem von einem unmissverständlichen Augenaufschlag untermalten «Na…?» wollte sie mich offensichtlich aus der Reserve locken. Billiger, blauer Lidschatten. Ach, Mädchen. 

Ich blieb betont kühl, verzog meine Mine nicht und fragte sie in gelangweiltem Ton, mein Blick weiter auf den Bildschirm meines Laptops gerichtet: «Wie kann ich dienen?» Der Ironie dieser Frage, welche sie bestimmt nicht erkannte, war ich mir natürlich bewusst, ich wollte meine Freude daran aber unter keinen Umständen durchschimmern lassen. Über all die Jahre hatte ich ein sicheres Gefühl dafür entwickelt, welche Frau sich für ein Treffen nach meinen Regeln eigenen würde und welche nicht. Sie tat es definitiv nicht.

Verena seufzte: «Der Chef wünscht eine Terminverschiebung der für heute geplanten Open-End-Session auf übermorgen, lässt sich das für Dich einrichten?» Ich stiess mich auf dem Bürostuhl etwas zurück vom Tisch, drehte mich zu ihr schaute ihr tief in die Augen: «Open End-Sessions habe ich zu Genüge – ich kann auch ganz darauf verzichten.» Ihr verwirrter Blick war unbezahlbar, aber sie liess nicht locker. Sie schlug ihr Bein zurück und gab mir damit ganz bewusst den Blick auf die Spitzen ihres weissen Höschens frei: «An einem unerwartet freien Abend könnte man allerhand anstellen, Herr Magister. Mein Mann ist wieder mal auf China-Reise.» 

Einmal mehr in die Vollen. So oft wie Frauen sich über die plumpe Anmache von Männern echauffieren, so ungelenk und beinahe mit der Brechstange gehen sie vor, wenn sie es mal dringend brauchten.

«Allerhand…» wiederholte ich langsam, sie mit scharfem Blick von oben nach unten musternd. Dann aber fuhr ich in arrogantem Tonfall fort: «Meine Hand ist nicht wie die aller.» 

Verena war verloren und fand keine Antwort. Mit dieser Sorte von Frauen pflegte ich zwar auch Spiele, aber die blieben rein auf verbaler Ebene. Ich beschloss, sie aufzuklären und blickte bewusst in ihren mir beinahe aufgenötigten Schritt. «Meine Hand wirkt dort am besten, wo sie vollständig von Wärme und Feuchtigkeit umgeben ist.» Dann starrte ich wieder ihre Augen, mit stechendem Blick. Sie wollte sich befreien, aber ich entliess sie nicht. Wollte sie vor der schamgetriebenen Peinlichkeit, die in ihr aufstieg und ihre Wangen innert Sekunden rötete flüchten, oder vor der klaren Ansage, vor dessen Umsetzung sie sich fürchtete? Bewusst oder nicht schloss sie ihre Beine und verharrte danach wieder wie in einer Art Schockstarre.

Nun, da ich ja kein Unmensch bin (oder nur manchmal), half ich ihr aus der Patsche. «Sag Deinem Chef, Donnerstag sei auch OK». Sie löste sich aus ihrem gefrorenen Zustand, erhob sich von meinem Pult und schritt eilends zur Türe. «Ach, und noch etwas, Verena!» Als hätte sie ein Pfeil getroffen, zuckte sie zusammen und drehte ihren Kopf langsam zurück zu mir. Wie ein Kind, welches sich vor einem Gespenst fürchtet, welches hinter ihm lauern könnte – so sah sie aus. «Nur grosse Mädchen spielen mit bösen Jungs.»

Sie war geheilt. Ab diesem Tag, für den Rest meines Mandates dort, war sie betont kühl und abweisend. Ach Du meine Güte, verletzter Stolz und nicht erwiderte Zuneigung. Wie sehr sie doch damit genau das schäbige Bild bestätigte, welches ich von ihr schon zuvor hatte.

Die Versuchung auf billige Abenteuer war seit dem Wiedereintritt von Elly in mein Leben nicht mehr zurückgekehrt. Meine Vorfreude auf unseren Aufenthalt in der Stadt der Liebe war unbeschreiblich gross und sich meiner Aufmerksamkeit bemächtigend, wenn immer ich daran dachte. 

Es war schon ein Ritual geworden, dass sie in speziellen Etappen unserer Affäre Post von mir erhielt – und dieses Erlebnis, dieses Wochenende war zweifellos ein solcher Moment. Diesmal war es viel Elektronik, welche sie erhalten sollte – wie immer begleitet von einem parfümierten Büttenpapier-Brief mit der Anweisung, wie die Reise zu absolvieren sei.

Elly

Ich werde Dich auf der Reise nach Paris nicht begleiten können. Die Vorbereitungen erfordern meine Anwesenheit vor Ort, aber sei Dir gewiss, ich werde Dich in Empfang nehmen.

Du wirst am Freitag den TGV in Basel besteigen, welcher um 14:27 Uhr den französischen Bahnhof dort verlässt. Es ist ein Platz für Dich reserviert, das Ticket liegt im Paket. 

Auch findest Du darin einen Massagestab und ein Halsband, in dessen Mitte eine kleine Kamera eingelassen ist. Sie sieht aus wie ein Schmuckstück, aber es ist auch ein wunderbares Kunststück der Technik. Du wirst das dazugehörende Teil, einen Transmitter mit Akku, an Deiner Hüfte unter dem Kleid tragen. Das verbindende Kabel steckst Du an der Buchse, gleich neben dem Verschluss des Halsbandes, ein. Den Transmitter verbindest Du drahtlos mit Deinem Handy und übermittelst mir damit auf meine Anweisung hin das, was ich sehen will. Ein zweiter Akku liegt ebenfalls bei – wir wissen noch nicht genau, wie lange Du Strom benötigst. Selbst wenn ich nicht physisch anwesend bin, wirst Du meine Anwesenheit spüren. Achte auf Zeichen – grosse wie kleine.

Um 17:37 wirst Du in Paris Gare de Lyon eintreffen. An der Spitze des Zuges werde ich auf Dich warten. 

Es wird aussergewöhnlich.

Dom G.

P.S: Die Packliste mit meinen Anforderungen findest Du ebenfalls anbei. Du tust gut daran, nichts davon zu vergessen.

Nur ein Versagen der Technik könnte das Schauspiel noch trüben, welches ich sorgsam inszeniert hatte – Livestream inklusive. 

 

https://bdsmerotik.home.blog/2020/03/27/1-billige-anmache/

Zitat
Themenstarter Veröffentlicht : 27. März 2020 10:28

2. Bahnhof

 

Der vereinbarte Freitag kam. Um 14:20 Uhr bekam Elly das erste Mal die Anweisung, ihre Kamera einzuschalten und mir den Blick auf das zu gewähren, was sie in diesem Moment selbst sah: Den staubigen, alten Teil des Bahnhofes, in welchem der TGV wartete. Mit dem Ticket in der Hand bestieg sie den Zug. Der Waggon, in welchem ein Sitzplatz für sie gebucht war, war menschenleer. Sämtliche andere Sitze waren gemäss den Anzeigen darüber aber ebenfalls reserviert, es schien also eine Fahrt in vollem Waggon zu werden.

Elly fand ihren Platz, verstaute ihren Koffer und liess sich auf dem glatten Leder nieder. Erste Klasse, genügend Raum für ihre langen, perfekt geformten Beine. Punkt 14.27 Uhr setzte sich der TGV in Gang. Die Bewegung der den Waggon absuchenden Kamera zeigte mir, dass sich bei Elly die beabsichtigte Gemütsregung einstellte: Erstaunen. Sie war alleine, alle anderen Sitze waren leer geblieben!

Zeit für meine zweite Anweisung. «Der Wagen ist beheizt. Du kannst Dein Höschen ausziehen.»

Erstaunlich brav war sie, Elly. Wer wird sich denn auch bereits den Auftakt zu diesem Wochenende versauen, dachte ich, zumal keine Zuschauer da waren. Sie zeigte ihren Schlüpfer artig in der Kamera und verstaute ihn anschliessend in ihrer Handtasche.

Jetzt, so schrieb ich ihr, sollte sie die Kamera wieder ausschalten und die Fahrt in Ruhe geniessen. Nun, nicht ganz in Ruhe: Sie fand einen Link in meiner Message – den Zugang zu meiner Eisenbahn-Geschichte, welche ich für sie geschrieben und online gestellt hatte. Diese sollte sie nun lesen.

Die Eingleisung

Dr. Nolte, ein weitherum angesehener Rechtsanwalt mittleren Alters, dessen graue Schläfen seine Klientinnen immer wieder ins Schwärmen brachten, pflegte seine abartigen Spiele seit geraumer Zeit mit der üppigen Baronin von Hohenfels, aus dem Elsass stammend, in immer wechselnden Umgebungen. 

Kennengelernt hatten sie sich an einem erotisch angehauchten Ball, welcher unter einem streng kontrollierten Kreis von Insidern als «Tanz in Schwarz» bekannt war. Zu diesem lud ein gut betuchtes Haus in der Haute-Savoie jährlich ein. Ein älterer, an den Rollstuhl gefesselter Herr, welchen man lediglich als «den Fürsten» kannte, fungierte als kauziger Gastgeber. 

Die Würze des Anlasses bestand darin, dass den Teilnehmern nie im Voraus bekannt war, wer auf der Liste der Eingeladenen stand. Bewerben dafür konnte man sich ausschliesslich handschriftlich, was wiederum eine Möglichkeit war, die nur denjenigen offenstand, die davon wussten: Es war ein Geheimnis, vorbehalten einem bestimmten, aber sogar für die sich darin befindlichen Personen unbekannten Zirkel. Es gab kein Erkennungszeichen, und nur einem ganz bestimmten Kodex folgend durfte dieses Geheimnis mit weiteren Personen geteilt und somit der Kreis vergrössert werden.

Die Einladungen ergingen stets nur an einzelne Personen – niemals an Paare. Es waren immer exakt 50 an der Zahl, je 25 von jedem Geschlecht. Eine Logik, in welchem Fall man in einem bestimmten Jahr dabei sein durfte oder nicht, war nicht auszumachen. Somit war vieles überraschend und unkalkulierbar – schlicht der perfekte Anlass, um unerkannt lustvolle Kontakte jenseits des Alltagslebens zu knüpfen.

Für den Eröffnungstanz im Hauptsaal, welcher im wunderschönen Stil des «Fin De Siècle» gehalten war, galt in Ergänzung zur ohnehin schon strikten Kleiderordnung eine Maskenpflicht. Sie verhinderte zuverlässig, dass sich die Anwesenden erkennen konnten. Die mutmasslich zufällige Zuteilung des Tanzpartners bzw. der Tanzpartnerin (oder war diese durch den bekanntermassen sehr eigenen Herrn des Hauses vielleicht doch bewusst gewählt worden?) liess eine aufregende, knisternde Stimmung entstehen. Gesteigert wurde das aufregende Setting durch grosse, goldgerahmte Gemälde der Romantik-Epoche an den Wänden, welche nicht die dafür typischen Sujets, sondern erotische Szenen zeigten.

Beim anschliessenden Mahl änderte sich zwar die Triebfeder für die Aufregung, die pulsierende Atmosphäre blieb aber bestehen: Die Maskenpflicht galt noch bis zum Servieren des ersten Ganges, doch die Stimmen durften bereits vorher erklingen. Durch das schrittweise Zulassen von immer mehr Sinnen wurde immer besser Bekanntschaft gemacht mit dem Wesen, mit welchem man soeben noch anonym und stumm getanzt hatte. Die Spannung des Unbekannten verwandelte sich in das Herzklopfen des Kennenlernens und der Frage, wie weit alles gehen würde.

Dr. Nolte, äusserst angetan von der roten Haarpracht und dem Duft der Baronin, hatte schon beim Tanz rasch das Feuer der Sehnsucht hinter den durch die Maske blitzenden Augen entdeckt. Intuitiv hatte er die Gewissheit erlangt, dass sie, die Baronin, wohl nicht unerfahren war in der Materie des Marquis de Sade, und damit für die Erfüllung der Perversionen seiner Imagination als geeignete Gehilfin in Frage kam.

Nachdem sich die beiden an die lange Tafel gesetzt und auf Befehl des Fürsten synchronen die Maske abgelegt hatten, ergänzte sich für ihn das Bild der Dame so, wie er es insgeheim gehofft hatte. Der Smalltalk zwischen den beiden begann und war alsbald gespickt von eindeutig zweideutigen Anspielungen, die aber nie auch nur im Ansatz plump wirkten.

Er wollte einen schnellen Entscheid herbeiführen: Noch bevor der Hauptgang serviert war, überreichte Dr. Nolte der Baronin drei verschiedene, seidene Foulards in unterschiedlichen Farbtönen: Ein blaues, ein gelbes und ein rotes. Sie, so erläuterte er, habe die Wahl, einen davon zu tragen, wenn sie sich am Ende des Anlasses verabschieden würden. Blau bedeute einen möglichen Einstieg in seine sehr eigene Welt – eine behutsame Einführung in die Materie erotischer Abgründe. Gelb bedeute, dass bereits von Beginn die Intensität des Spiels auf ansehnlichem Niveau sei, jedoch sei die ausschliessliche Zweisamkeit dabei garantiert. Üblicherweise habe er ein gutes Auge für seine Wahl der submissiven Damen, und die meisten davon wählten diese Farbe, ergänzte er. Rot aber, das sei nur für die mutigsten Damen dieser Welt. Alles sei möglich, und es sei nicht absehbar, ob er oder andere Anwesende ihr Spiel mit ihr treiben würden. Allen Szenarien sei gemein, dass er die alleinige Kontrolle habe und die Dame im Rahmen des Spiels seine spezielle Fürsorge spüren werde. 

Er streckte seine Hand hinüber zu ihrer und fuhr mit dem Zeigefinger ihrem Handrücken entlang, bis zur Spitze ihres Mittelfingers. Die Baronin war sofort mit Gänsehaut überzogen, ihr Gesicht rötete sich. Er fuhr er fort:

Diese Gelegenheit der Wahl sei wohl ein Privileg, welches ihr so schnell nicht mehr zuteil würde – obwohl sie, wenn sie sich für eines der Foulards entscheide, sich erst noch als dem Spiel würdig erweisen müsse: Eine Art Prüfung, welche bereits mit der Wahl der Farbe beginne. Keines der Foulards sei ein Freipass für sein Reich – die definitive Aufnahme werde sie sich hart erarbeiten müssen.

Die Baronin schien erschrocken, aber gleichermassen fasziniert. Ihr Körper zeigte die Nervosität durch ein leichtes, für sie nicht kontrollierbares Zucken der Augenbrauen. Dr. Nolte wusste genau, wie diese Regung zu interpretieren war und lächelte siegesgewiss.

Der Hauptgang wurde serviert. Die Baronin und der Rechtsanwalt schwiegen während dessen gesamten Dauer, was den Argwohn der geschwätzigen Tischnachbarn weckte: Sie fühlten sich belauscht. Doch die beiden liessen sich nicht beirren. Fast schien es, als seien sie bereits in ihrer eigenen Welt, welche sämtlicher Beschreibungen spottet. Erst als die Gesellschaft fertig diniert hatte und sich neue Konstellationen für Gesprächsrunden formierten, verloren sie sich für einige Momente aus den Augen.

Der Abend war in Windeseile vergangen, der Moment des Abschieds kam. Als Dr. Nolte die Baronin wieder erblickte, sah er sich bestätigt: Sie hatte ein Foulard gewählt: Es war das rote, welches sie elegant um ihren Hals gewickelt hatte. Seine Strategie, ihren Ehrgeiz anzustacheln, war aufgegangen. Mehr als das, sogar: Sie überreichte ihm mit einem scheuen Lächeln nicht nur die beiden anderen Foulards: Zwischen ihnen, fast nicht erkennbar, lag ein Höschen. Ihr Höschen. Unaufgefordert.

Sie hatte sich für die schärfste Variante entschieden und mit dieser Geste ihr Interesse, ihre Devotion zusätzlich bekräftigt. Nun musste nur noch die Kommunikation für die Zeit nach dem Anlass gesichert werden. Zu diesem Zweck war es erforderlich, je ein gemeinsam festgelegter Code für die eigene Messenger-App des Hauses zu hinterlegen, damit die Verbindung zwischen zwei Teilnehmern zustande kommen konnte. Diese App war eine besondere Dienstleistung des Fürsten, aber es war nie klar, ob er vielleicht doch die Inhalte der ausgetauschten Nachrichten mitlesen konnte und er so voyeuristische Neigungen befriedigte. Das Gerücht, dass genau dies der Antrieb für den ganzen Anlass war, hielt sich hartnäckig.

Dr. Nolte holte eine Münze aus seinem Veston, auf deren einen Seite zwei sich kreuzende Ketten, auf der anderen eine Triskele aus Stacheldraht, mit je einer Rose in den drei Innenflächen eingraviert war. «Dieses Stück Metall», so erläuterte er, «werden Sie, werte Baronin, von nun an stets bei sich tragen und auf Befehl jederzeit vorweisen – auf Aufforderung auch fremden Personen gegenüber, die von mir instruiert sind. Sie benötigen keinen weiteren Ausweis für das Überschreiten der Grenzen.» Er schmunzelte dabei und hatte dabei eine Mischung aus Gier und Fordern im Blick, wie man sie bei einem gefährlichen Triebtäter vermuten würde. Plötzlich unsicher geworden, zögerte die Baronin. «Na komm schon!» forderte er. Endlich nahm sie die Münze, verabschiedete sich hastig und verschwand im Dunkel der Nacht.

Zwei Tage später wurde die Baronin über den Messenger aufgeboten, und zwar auf das Gebiet des alten Bahnhofes in Hermeskeil: Einem Gleisfeld mit alten, rostigen und überwucherten Dampflokomotiven sowie einer Remise, welche aus den Anfängen der Eisenbahnzeit stammte. Menschenleer, ein klassischer «Lost Place».  

Der Text auf der Webseite endete – keine Navigation, kein erkennbares Zeichen einer Fortsetzung.

Als der TGV um 14:53 Uhr in Mulhouse eintraf, liess ich Elly via Messenger wissen, dass sie die Bilderübertragung wieder in Gang setzen solle. Auf diese Weise konnte ich erkennen, dass vier dunkelgekleidete Herren den Waggon betraten und – obwohl reichlich Auswahl bestand – natürlich genau im Abteil auf gleicher Höhe, auf der anderen Seite des Waggons, Platz nahmen. 

https://bdsmerotik.home.blog/2020/03/29/2-bahnhof/

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 1. April 2020 12:19

3. Rostiges Eisen

Elly beobachtete die Herren offensichtlich aufmerksam, denn sie drehte ihren Oberkörper immer wieder zu ihnen. Alle trugen sie den gleichen Anzug, die gleiche Krawatte, und am Revers eine Stecknadel mit einer Inschrift, welche sie aus der Distanz nicht entziffern konnte.

Als sich der Zug wieder in Gang setzte und sich anschickte, in Richtung Dijon zu beschleunigen, erhob sich einer der Männer aus seinem Sitz, begrüsste sie mit einer freundlichen Geste, aber ohne Worte, und legte ihr ein kleines Paket hin. Als sich der freundliche Herr deshalb leicht beugte, musste sie erkannt haben, was auf der Stecknadel stand: Ein grosses „G.“

Hastig tippte Elly eine Nachricht an mich in ihr Smartphone: «Sind die Männer von Dir geschickt?» Ich schrieb zurück: «Seit wann ist Dir das Duzen erlaubt?» 

Sie schrieb zurück: «Sie, geliebter Mistkerl, schicken mich wie eine Gefangene auf eine Reise mit unbekanntem Ausgang und überwachen mich dabei nach Belieben. Sie versuchen sogar, meine Gedanken zu kontrollieren. George Orwells «1984» ist ein Kindermärchen dagegen. Da werden Sie als grosser Dom wohl imstande sein, ganz einfache Fragen ihrer Sub zu beantworten?» 

«Oh, oh», dachte ich. Elly unter emotionalem Stress. Ganz bewusst liess ich sie für einen Moment darin schmoren und antwortete zunächst nicht. Die Kamera bewegte sich, unruhig und nervös.

Dann textete ich: «Es ist der Sub nicht erlaubt, Fragen zu stellen. Sie hat zu anzunehmen, was geschieht und ihrem Herrn vollständig zu vertrauen.»

Das Paket war in neutralem Papier eingewickelt. Sie öffnete es und fand darin ein Buch, dessen Umschlag komplett in schwarz gehalten war. Kein Titel, kein Autor, nur eine weisse Karte mit handschriftlicher Notiz: «Pour Elly». Sie öffnete sie das Buch. Es enthielt die eben auf der Internet-Seite gelesene Geschichte drin – und deren Fortsetzung.

«Lies, meine Liebe. Lies! Nach dem nächsten Kapitel stellst Du die Kamera wieder an. Antworten gibt es später – und Entspannung ebenfalls.»

Die Baronin hatte sowohl mit Bangen, aber auch Hoffen auf den Tag gewartet. Sie kannte Dr. Nolte nur von diesem Ball. Ganz wenige Worte hatten sie gewechselt – und trotzdem vertraute sie ihm. Er hatte eine sehr bestimmte Art an sich, sehr ruhig und doch – oder gerade deshalb – vereinnahmend. Aber zwischendurch fragte sie sich, ob sie nicht zu weit gegangen war mit dem roten Foulard. Immer wieder drehte der Satz in ihrem Kopf, mit welchem er die Konsequenzen der Wahl darlegte: Rot sei nur für die mutigsten Damen dieser Welt. Alles sei möglich, und es sei nicht absehbar, ob er oder andere Anwesende ihr Spiel treiben würden. Noch nie hatte sie sich, beinahe naiv, in ein solches Abenteuer gestürzt. Und doch machte genau dieses Kribbeln die Faszination aus, der sie erlegen war.

Bevor das Taxi sie abholte, betrachtete sie sich noch einmal im Spiegel. Die Strapsen sassen, der Lidschatten dezent. Eine volle Stunde hatte sie in der Wanne gelegen, ihren Körper gepflegt, nur, um sich nun auf mutmasslich schmutzige Spiele einzulassen. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie sich dieser Ironie bewusstwurde.

Das Taxi kam, sie stieg ein und fuhr los. Gebäude der Stadt sausten an ihrem Fenster vorbei, ohne, dass sie sie wirklich bewusst wahrnahm. Viel zu sehr war sie in ihren Gedanken verloren. Würde sie die Prüfung bestehen? Aus welchen Elementen würde sie bestehen? Und immer wieder: Hatte sie sich nicht doch übernommen mit der Wahl des roten Foulards? Je näher das Taxi dem Bestimmungsort kam, desto mehr verwünschte sie sich für ihren Mut, der sie nun zu verlassen drohte. Doch es gab kein zurück, ihr Stolz hätte dies auch nie und nimmer zugelassen. In ihrem Kopfkino drehten auf einmal Bilder, Erinnerungen, welche sich mit noch unerfüllten Fantasien und Wünschen vermischten. Das Dienen als versklavtes Sexobjekt, nur noch Befehle ihres Herrn ausführend. Egal was, egal was.

Kürzlich hatte sie von einem der Männer, mit welchen sie spielte, für den Weg zu ihm einen sehr speziellen Befehl erhalten: Sie sollte in eine sehr enge Bluse an der Stelle, wo sich die Brustwarzen befinden, zwei Löcher schneiden und ohne BH in aller Öffentlichkeit den Weg zu ihm zurücklegen. Sie schämte sich so sehr, doch reizvoll war es halt irgendwie doch. Bei ihm angekommen, sah sie als erstes ein am Boden liegendes Holzbrett, in welchem ein Jagdmesser steckte. Sie sollte niederkauern, ihren Po mit Gleitmittel einreiben und dessen Griff einführen, als wäre dieser ein Dildo. Sich auf und ab bewegen. Eine heikle Aufgabe, bedurfte es doch einer sicheren Position, welcher mit ihren hohen Absätzen nicht einfach zu erfüllen war. Es war das Gefährlichste, zu was sie sich je hinreissen liess.

Sie fuhr mit ihrer Hand über den Unterleib. Unweigerlich begann sich ihr Schritt zu nässen. Die Erregung der Gefahr zollte ihren Tribut, und es gab nichts, was sie dagegen tun konnte.

Wenig später war sie angekommen, hatte sie den Chauffeur bezahlt und betrat das überwucherte Gelände. Etwas orientierungslos lief sie zwischen zwei Reihen rostiger Dampfrösser entlang. Immer wieder prüfte sie die Uhrzeit, um sich zu vergewissern, dass sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war.

Wie aus dem Nichts erschienen urplötzlich zwei stämmige, mit Hut und schwarzem Ledermantel gekleidete Herren vor Ihr. Als sie stehenblieb und die Fluchtmöglichkeit hinter sich prüfte, erkannte sie, dass weitere zwei Herren – ebenfalls so gekleidet wie diejenigen vor ihr – diese Option zunichte machten. Sie war eingekesselt.

Ihre Körperreaktionen reduzierten das Blickfeld der Baronin, leichter Schwindel überkam sie, beinahe fiel sie in Ohnmacht. Doch ihr Puls schlug so heftig, dass sie seinen Bass in den Ohren spürte. Eine Situation, aus welcher es kein Entrinnen gab. Die vier Herren näherten sich von vorne und von hinten, schliesslich umringten sie sie. Alle hatten sie eine Stecknadel an, auf welcher ein «G.» eingraviert war.

Schweiss tropfte von ihrer Stirn, Schweiss der Angst, der Beklemmung. Auf einmal wurden ihr von hinten ein Jutesack über den Kopf gestülpt, die Handtasche weggerissen und ihre Hände hinter ihrem Rücken mit Kabelbindern gefesselt. Gehörte das zum Spiel? Oder war sie einfach nur zufälliges Opfer eines plumpen Raubüberfalls? 

Eine brüchige Männerstimme fragte: «Haben Sie das Erkennungszeichen dabei?» Die Baronin, etwas erleichtert, nickte heftig und sagte, um Luft ringend: «In der Aussentasche». Sie hörte, wie der Reissverschluss ihrer Handtasche geöffnet und die Münze hervorgekramt wurde. «Seht her! Sie gehört uns!». Meinten sie die Baronin oder die Münze?

Dann vernahm sie die Stimme von Dr. Nolte. «Sie, werte Baronin, haben das rote Foulard gewählt. Wir werden nun gemeinsam herausfinden, ob ihre Selbsteinschätzung nicht doch etwas zu hoch gegriffen war.» 

Einerseits beruhigt, seine Stimme zu hören, andererseits aufgeregt und daran zweifelnd, der ihr zugedachten Rolle gewachsen zu sein, antwortet sie intuitiv «Ja, mein Herr». Gleich darauf wurde die Baronin von Männerhänden entkleidet. Sie hörte den Reissverschluss ihrer Stiefel, spürte das ungestüme Öffnen der Knöpfe ihres Kleides.

Innert Sekunden, so kam es ihr vor, war sie vollständig nackt, ausgestellt vor Fremden, und das in einem Kontext, in welchem eine sexuelle Nötigung unmittelbar bevorzustehen schien, deren Dimensionen das Bisherige um Universen überschreiten würde.

Sie musste ihre Beine spreizen. Dann spürte sie Hände wieder, überall Hände an ihrem Körper. Es mussten alle Hände der Anwesenden gewesen sein. In ihrem Gefühlschaos war sie nicht in der Lage, sie zu zählen. Abwechselnd suchten sie die Öffnungen, drangen in sie ein. Die Herren lachten verächtlich dabei. Sie fühlte sich hilflos, und doch wich ihre Angst langsam der Lust. Fast schämte sie sich dafür, dass ihr Fleisch sie verriet und sie den Wunsch verspürte, bereits jetzt zu kommen. Auf einmal aber begannen die Männer, die mit den flachen Händen zu schlagen. Acht paar Hände, die in kurzer Folge, manchmal gleichzeitig Po und Brüste trafen, Oberschenkel, Rücken. An ihren Nippeln wurde mehrfach so lange gezogen, bis ihr ein «Autsch» entfuhr. Beschimpft wurde sie als dreckige Nutte, welche sich so präsentiere und behandeln lasse. Doch Scham verspürte sie nicht. Sie war bereits orientierungslos und nicht mehr fähig, die Situation wirklich einzuordnen, überwältigt von einer gigantischen Welle an verwirrenden Empfindungen.

Ein einziger Gedanke eilte noch durch ihren Verstand: Das Spanking musste ihrem Körper zugesetzt haben und leuchtete bestimmt in allen Rottönen. Doch dann nahm dieses Spiel – war es überhaupt noch so harmlos zu bezeichnen? – eine neue Wendung: Die Behandlung endete, und sie wurde in den Lokschuppen gezerrt. Dort angekommen, fesselte jemand ihre Hände hinter ihrem Rücken und zog die Arme danach an einem Seil nach oben, so dass ihr Körper nach vorne gebeugt blieb. Ein zweiter Mann schnürte ihre Beine zusammen und befestigte etwas zwischen den Beinen. Es war kalt. Dieses Ding hatte ein Kabel. Und dann realisierte sie: Es war ein «Magic Wand» Massagestab. 

Was in aller Welt hatten die Häscher vor?

Dann vernahm sie, wie sich Männer entfernten. Entfernten sich wirklich alle? Sie konnte es nicht mit Sicherheit sagen, aber es war auf einmal sehr ruhig, bis der Magic Wand plötzlich in Gang gesetzt wurde. Durfte sie es geniessen? Sie war mental wie in einem freien Fall. Dann hörte sie auf- und abschwellendes Zischen in der Luft, wie ein Lasso und realisierte rasch, was es zu bedeuten hatte: Es war die Ankündigung eines Peitschenhiebs, der sie sogleich über den gebeugten Oberkörper traf und fürchterlich brannte. Die Bullwhip hatte eine Spur quer über ihren Bauch gezeichnet. Die Baronin schrie. Doch die Behandlung ging genauso erbarmungslos weiter, wie sie begonnen hatte: Es war nicht nur eine, es waren zwei Bullwhips, welche sie abwechselnd trafen, ein Ballett der Peitschen. Mit fortschreitender Dauer der Züchtigungen wurde der Massagestab intensiver. Mindestens drei Herren waren also involviert in diesem Spiel ohne Gnade. Nach wenigen Minuten kam die Baronin, erneut unter ohrenbetäubendem Geschrei, und spritzte alles, was in ihr war, unkontrollierbar auf ihre Beine, Füsse und den Boden.

So endete das zweite Kapitel.

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 3. April 2020 13:21

4. Dichtung oder Wahrheit?

Um 15.30 Uhr stellte Elly die Verbindung endlich wieder her. «Du weisst, was ich jetzt von Dir verlangen werde, Elly. Das Gerät hast Du hoffentlich dabei!» schrieb ich ihr. Sie tippte zurück: «Vergiss es, Du Perversling!»

«Wie undankbar!» antwortete ich mit einem zwinkernden Emoji. «Schliesslich sollst Du entspannt in Paris ankommen. Dein Herr hat ausschliesslich Dein Wohlbefinden im Sinn, das weisst Du doch! Und eine läufige Hündin in Empfang zu nehmen, welche am liebsten jeden Réverbère bespringen und sich daran reiben würde, passt so gar nicht zum dezenten Auftritt, welcher in Paris angebracht wäre.» 

Mein Plan war wunderbar aufgegangen – das verunsichernde Spiel zwischen Fiktion und Realität, welches sie immer mehr in ein unübersichtliches Dickicht wickelte. Elly fragte sich bestimmt, ob die Männer nebenan vom Inhalt des Buches wussten. Was wussten sie überhaupt? Oder waren sie nur Strohmänner, die einen simplen Auftrag auszuführen hatten?

«Auf diese Weise, Dom G., habe ich keine Lust auf auch nur den Hauch von Erotik», trotzte sie. «Les enfants qui mentent ne vont pas au paradis.» schrieb ich zurück. Wieder einmal waren Vernunft und Körper meiner Sub in Dissonanz, ich wusste es haargenau und überdies war klar, wer gewinnen würde. Elly war sich dessen genauso bewusst, auch wenn sie sich das nie eingestehen würde. «Gegen Dein Unterbewusstsein hast Du keine Chance, Du launische Göre. LOS!!! Ich könnte mir keine bessere Verwendung der 220 Volt Steckdose in der Seitenwand des Zuges vorstellen. Oder hat Dir meine Geschichte etwa nicht gefallen?»

Ich sah, wie Elly sich vom Sitz erhob und aus ihrem Rollkoffer den Magic Wand holte. Dann aber lief sie weiter zum Wagenende und versuchte, die dortige Toilettentür zu öffnen. Doch diese war verschlossen. «Elly, Du wirst es auf Deinem Sitz tun!» Sie reagierte nicht und rüttelte heftig an der Türe, als ob das irgendetwas ändern würde. «Elly! Das ist ein Befehl!»

Unverrichteter Dinge schlich sie langsam zurück an ihren Platz und setzte sich. Ich versuchte, sie etwas zu beruhigen: «Das Rollgeräusch des Waggons wird den Magic Wand übertönen – mach Dir keine Sorgen!» Elly antwortete rasch: «Ich kann unmöglich den Sitz hier nässen – das wäre eine riesige Sauerei, selbst wenn es Leder ist!». Mit dieser Eventualität hatte ich gerechnet. «Nun Elly, so klug Du scheinst, Du hast die Ausweglosigkeit des Moments dennoch nicht begriffen. Du wirst nun halt die Herren neben Dir freundlich fragen, ob sie ein Taschentuch übrighaben. Ich bin fast sicher, dass dem so ist. Dass Du damit unnötig Aufmerksamkeit auf Dich und Dein Vorhaben lenkst, ist durchaus ein pikantes Detail. Aber damit wirst Du bestimmt umzugehen wissen.» 

Für einen Moment regte sich Elly nicht, doch ich kannte sie zu gut – ihre Reaktion war ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass innerlich kochte und gleichzeitig etwas ausheckte, nachdem der Plan mit der Toilette nicht aufgegangen war. 

Erst einige Minuten später erhob sie sich vom Sitz und sprach die Herrenrunde tatsächlich an. Einer der Herren griff in seine Aktentasche und überreichte Elly ein ganzes Päckchen Papiertaschentücher. Mit diesem in der Hand lief sie erneut zu ihrem Rollkoffer und holte sich diesen an ihren Platz. Sie stellte ihn auf den Sitz zwischen ihrem Fensterplatz und dem Gang und öffnete ihn. Nicht, um dort irgendetwas herauszunehmen – den Magic Wand hatte sie ja schon vorher geholt. Ihre Absicht war offensichtlich, sich durch den Deckel vor den Blicken der Männergruppe zu schützen. «So eine hinterhältige Hexe!» schimpfte ich laut vor mich hin.

In der Folge legte sie ihre Sitzfläche mit den Taschentüchern aus, steckte den Magic Wand an die Stromquelle und, nachdem sie sich versichert hatte, dass sie wirklich nicht beobachtet wurde, setzte sie ihn in Gang. Dann zog sie ihren Rock hoch und installierte sich bequem. «Beug Dich nach vorne, damit ich alles sehen kann!» befahl ich ihr per Messenger. Elly folgte und vermittelte den Eindruck, als sei es ihr auf einmal ganz Wohl in ihrer Haut. Sie wiegte sich in Sicherheit, konnte ihre durch die Literatur aufgestaute Lust ungestört befriedigen und dem Wunsch ihres Herrn – nach ihrer Lesart – entsprechen. Der Massagestab verrichtete seinen Dienst offensichtlich hervorragend – ich konnte den nebelfeuchten Glanz zwischen Ellys Beinen erkennen und wie sich am Massagekopf das Licht der Sitzplatzbeleuchtung spiegelte. Die wunderschönen Beine, ihre makellose Haut. Wie sehr ich mich auf sie freute. Sie, dieses mich immer faszinierende, unberechenbare Wesen wieder in meinen Armen zu halten, und diesmal ohne die Gefahr unerwünschter Komplikationen. Entspannt, an einem anderen Ort und vor allem für mehr als nur für ein paar Stunden. 

Immer wieder bewegte ich ihre Grenzen weiter hinaus, hinweg über das, was sie sich je hätte vorstellen können. Frühere NoGo hatten sich zum Standard entwickelt, sie forderte sie sogar regelrecht ein. Diese Venus mit perfekten Proportionen, die sie durch ihre gekonnte Wahl der Kleidung stets betonte, überraschte mich mit ihrer Gier jedes Mal – wenn erst Mal der anfängliche Widerstand gebrochen war und nicht mehr die Logik, sondern ihre Gefühle das Ruder übernommen hatten. Bald schon würde ich sie in meinen Händen halten, welche ihren Brustkorb fest umfassen und ihr die Sicherheit meines starken Willens, meines Begehrens vermitteln. Mit dieser Tagträumerei reicherte sich das im persönlichen Livestream zutragende Schauspiel zu einem Erlebnis an, welches meinen Körper ebenfalls nicht nur einfach erfasste, sondern in Aufruhr versetzte. Meine Hand glitt langsam in meinen Schritt.

Ellys Körper bebte, die Kamera bewegte sich immer heftiger, folgte der Auf- und Abbewegung ihres Oberkörpers, deren Frequenz sich laufend steigerte. Sie begann, das Becken zu heben. Es musste aus ihr raus, der Wunsch nach Erfüllung war übermächtig. Und tatsächlich kam Elly, mit ein wenig Flüssigkeitsaustritt, der von der unter ihr liegenden Vorsichtsmassnahme zuverlässig aufgefangen wurde. Sie betätigte den «On / Off»-Schalter des Gerätes, legte es zur Seite und liess sich in die Rückenlehne des Sitzes zurücksinken. Den Rock rückte sie dabei wieder zurecht. 

Wissen konnte ich es nicht, aber ich mutmasste, dass sie ihre Augen geschlossen hielt, um die Sekunden auch der letzten Orgasmuswellen durch ihren Körper bewusst wahrzunehmen – den Moment des Genusses des Triumphs, des «Entkommens» vor einer Situation, vor welcher ihr gegraust hatte, auszukosten.

Doch sie hatte etwas übersehen. 

Als sie sich aufrichten und zwecks Kontrolle zur Männergruppe blicken wollte, zuckte sie zusammen. Der Mann, welcher ihr die Taschentücher gegeben hatte, stand im Gang direkt neben ihr und fixierte sie mit verschmitztem Lächeln. Hatte er etwa alles mitbekommen? Alles beobachtet, ohne, dass sie es in ihrer Hitze, mit geschlossenen Augen und im Mix der Geräusche des Zuges und des Magic Wand bemerken konnte? Mit hektischen Bewegungen prüfte sie den Sitz ihres Rockes, ergriff dann den Magic Wand, legte ihn in den geöffneten Rollkoffer, schloss ihn, bat den Mann auf die Seite und eilte zur Kofferablage, wo sie ihn wieder verstaute. Dann steuerte sie, ohne nur einen Blick zurück zu riskieren, die Toilette an. Jetzt war sie frei. Elly trat ein und verriegelte die Türe hinter sich und sank auf den Klodeckel.

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Themenstarter Veröffentlicht : 5. April 2020 17:56

5. Wie auf Kohlen

Die Baronin wurde sich langsam ihrer Situation und Ortes gewahr. Der Orgasmus, welcher sie wie ein Stromschlag von 10’000 Volt erfasst und durchgeschüttelt hatte, hatte sich verflüchtigt und sie dampfend zurückgelassen. Alleine zurückgelassen, wie sie bemerkte. Niemand schien mehr im Lokschuppen zu sein, nur noch sie. Sie konnte keine Anwesenheit ausmachen. Stattdessen drückten sich jetzt Gerüche und Hintergrundgeräusche in ihre Wahrnehmung. Sie roch die Würze von Wagenschmiere der Maschinen und von Steinkohlenteeröl. Und sie vernahm ein Stampfen und ein Zischen von weiter weg: Eine der Lokomotiven musste unter Dampf stehen.

Dann, auf einmal, wurde diese Geräuschkulisse durch das Hallen von Damenschuhen, wohl Pumps, durchsetzt. Immer näher kam es, immer mehr Raum nahm es in ihren Ohren ein. Es mussten mindestens zwei Paare sein. War das ein Grund zur Erleichterung? Oder drohten noch mehr Perversionen? Wo war Dr. Nolte? 

Die beiden weiblichen Wesen erreichten die Baronin und lösten die Fesselungen und den Magic Wand. Am Ende nahmen sie ihr auch den Jutesack vom Kopf. Das erste Mal sah sie den Raum, in welchem sie vorher gezüchtigt wurde. Vor ihr standen zwei grossgewachsene Frauen. Beide waren gekleidet in einem schwarzen Korsett mit Strapsen und hatten lange, wallende Haare; die eine war von nordischem Typ, blond, mit heller Haut und Sommersprossen, die andere schwarzhaarig und den Gesichtszügen zufolge wohl asiatischer Herkunft. Beide trugen Pumps und lächelten die Baronin an, sprachen aber kein Wort. Auch, als ihr die scheue Frage «Was geschieht nun?» entwich, blieben sie stumm. Einer mitgebrachten Tasche entnahmen sie zwei nach Eukalyptus duftende Tücher und wickelten die Baronin darin ein. Gekonnt, fast wie ein Kleid sah das Textil an ihr aus, ganz in unschuldigem Weiss. Doch unmittelbar danach bedeuteten sie der Baronin, ihnen zu folgen und schritten langsam Richtung der dampfenden Lokomotive. Ihre Neugier war genauso grenzenlos wie das beinahe unerträgliche Gefühl der Unsicherheit. 

Noch nie hatte sie sich in eine solche Situation begeben, erst noch freiwillig. Sie schimpfte sich innerlich selbst als vollkommen verrückt, denn sie ahnte, dass das alles nur ein Anfang gewesen sein konnte. Was um Himmels Willen hatte sie hierhergetrieben?

Der Weg durch den Schuppen führte an der glühend heissen Lokomotive vorbei, in deren Fahrerhaus ein mit Kohle verschmutzter Heizer stand. Er lächelte sie von oben herab an und wischte gleichzeitig mit dem haarigen Handrücken seinen Stirnschweiss weg. Vermischt mit dem Kohlestaub, zog diese schmierige Mischung Bahnen des Drecks quer über die buschigen Augenbrauen des muskulösen Mannes. Die Baronin blieb einen Moment stehen. Es war diese Faszination, die einen erfasst, wenn man etwas eigentlich Hässliches sieht und sich davon abwenden will, aber es irgendwie nicht kann. 

Als die Begleiterinnen bemerkten, dass die Baronin ihnen nicht mehr folgte, blieben sie stehen und wandten sich um; sie lächelten weiter und deuteten mit ihren Handflächen fast synchron zum Heizer, als wollten sie die Baronin dazu aufmuntern, ihn weiter genau zu betrachten. Der Mann auf dem Dampfross aber wandte sich ab und öffnete die Feuerkammer der Lokomotive, wie am roten Flackern gut zu erkennen war. Dann kehrte er ins Blickfeld der Baronin zurück, stellte sich an den Einstieg des Fahrerhauses und zeigte ihr den eben aus dem Feuer geholten Schürhaken, dessen Spitze rot glühte. «Schauen Sie! So rot wie das Foulard!» rief er der Baronin zu. Sie erschrak beinahe zu Tode und lief eilends zu den beiden Damen, welche ihre Reaktion als Aufforderung interpretierten, die Baronin weg zu führen, hin zum Ort der Bestimmung. Wenig später fand sie sich im Keller des Nebengebäudes wieder. 

Dort angekommen staunte sie mit offenem Munde: Die Wände und die Decke des Raumes waren komplett ausgekleidet mit einer Art schwarzer Samttapete. Die alten Fliessen auf dem Boden waren grösstenteils überdeckt mit einem geknüpften, aber schäbig wirkenden, dunkelroten Perserteppich: Seine Muster waren kaum noch zu erkennen. Erhellt wurde der Raum durch ganze vier Schwedenöfen in den Ecken und einen Kronleuchter an der Decke. Unter dem Kronleuchter befand sich eine breite Lederpritsche mit einer halbrunden Aussparung an einem Ende. Die beiden Damen bedeuteten der Baronin, sie solle sich da drauflegen, und befreiten sie von den Tüchern. Danach begannen sie, sie mit warmen, flauschigen Waschlappen zu reinigen; anschliessend rieben sie sie mit wohlduftendem Pflegeöl ein. Die Markierungen, welche die Baronin von den Peitschen davongetragen hatte, wurden umsorgt, ihr ganzer Körper massiert. Beinahe wie die Behandlung eine Königin, welche aus einer verlustreichen Schlacht ins Schloss zurückgekehrt war – so mutete die Situation an. Der Genuss dieser Behandlung war angesichts ihrer kompletten Ahnungslosigkeit über die weitere Abfolge dieser Session zwar zweifelhaft. Dennoch: Der Schock über den Schürhaken war schon beinahe vergessen. Nur eine Frage marterte sie noch immer: Wo war Dr. Nolte?

Die hellhäutige Zofe holte aus einem metallenen Kasten zwei Overknee-Stiefel und zog sie der Baronin an. Warum nahm man nicht ihre eigenen Stiefel? Und wo waren überhaupt ihre Kleider? Die fremden Overknees, sichtlich schon sehr häufig gebraucht, schienen erstaunlich gut zu passen; nur der Schaft war eine Spur zu weit. Jetzt wurde sie mit Handzeichen angewiesen, sich auf alle Viere zu begeben. Ihre Scham war nun genau oberhalb der Aussparung der Pritsche positioniert, so dass der Zugang zu ihren Pforten frei zugänglich war. Ehe sie sich versah, waren alle vier ihrer Extremitäten an Ledermanschetten fixiert, welche ihrerseits mit der Pritsche über Ketten verbunden waren. Ihre Haare wurden zu einem hohen Rosschwanz zusammengebunden und mit einem Seil an der Decke befestigt. Auf diese Weise war es ihr unmöglich, den Kopf vornüber auf das Leder zu stützen – sie war gezwungen, nach vorne blicken. Doch das mit dem Sehen hatte sich auch bald erledigt, denn zum Abschluss der Prozedur wurden ihre Augen verbunden. 

Auf einmal machte sich eine der Frauen – waren es wirklich sie? – an ihrem Anus zu schaffen. Er wurde mit Gleitgel eingeschmiert. Reichlich Gleitgel. Kurz darauf spürte sie ein Metall. Was war es? Die Baronin schrie lauthals – denn die Vorstellung des gebogenen Schürhakens war auf einmal wieder sehr präsent – in diesem ersten Moment, in welchem sie nicht sicher war, ob das Metall heiss oder kalt war. Doch dann realisierte sie, dass dieses Gerät nur kalt war, quasi ein gebogener Haken wie ein Metalldildo, der aber am anderen Ende offenbar auch an der Decke befestigt wurde. Auf diese Weise wurde ihre Lende auf einer bestimmten Höhe gehalten.

Endlich hörte sie die Stimme von Dr. Nolte. «Werte Baronin. Sie verhalten sich bisher vorbildhaft. Wirklich! Und ich gehöre nicht zu der Sorte von Menschen, die Lob im Überfluss verteilen. Sie teilen die Overknees mit vielen Frauen, die vor ihnen diese Behandlung hier durchlebt haben. Alle haben sie darin geschwitzt, aus Angst. Und keine hat die Prüfung bestanden.» Die erste Beruhigung, Dr. Nolte zu hören, war so schnell weg, wie sie gekommen war. Doch der letzte Satz stachelte die Baronin an. Sie wollte diejenige sein, welche die Prüfung besteht. Sie wollte ihn für sich. Und sie würde alles dafür tun.

«Öffnen Sie ihren Mund!» befahl Dr. Nolte. Auf einmal spürte sie einen harten Männerschwanz in ihrer Mundhöhle. Ein Mann, der in ihren Rachen, ihren Hals eindringen wollte. Sie nahm ihn auf, so gut es ging. Sie wollte Dr. Nolte auf diese Weise beweisen, wie gut sie es konnte und wie sehr sie die Aufnahmeprüfung bestehen wollte. Der Druck wurde immer fordernder, der Rhythmus laufend schneller. Die Körperbewegungen, die ihr dadurch verpasst wurden, liessen sie den metallenen Haken in ihrem Anus deutlicher spüren, als ihr lieb war. Aber sie musste, nein, sie wollte da durch. Dann spritzte das heisse Sperma in ihren Mund, und von dort hinunter auf das Leder unter ihr. Sie hatte ihn zum Höhepunkt gebracht, und wie. Diese Menge! Die Genugtuung darüber fühlte sich beinahe wie ein eigener Orgasmus an.

«Sie können das gut!» hörte sie die Stimme von Dr. Nolte sagen. Doch sie realisierte, dass seine Stimme gar nicht von vorne kam, sondern von dort, wo sie soeben penetriert worden war. Mit einem Ruck wurde ihre Augenbinde hochgehoben. Jetzt realisierte, dass es die asiatische Dame war, die vor ihr stand. Genaugenommen war es keine echte Dame…  Dr. Nolte hatte die ganze Zeit hinter der Baronin gestanden. «Darf ich Ihnen Lila vorstellen? Das Schwanzmädchen des Hauses!»

Lila, deren dunkle Stimme sie das erste Mal hörte, lachte schallend über die Verwirrung der Baronin. Sie hatte einen Ladyboy befriedigt, nicht den Herrn. Die Gedanken in ihrem Kopf liefen Amok, die Logik war unfähig, die Empfindungen des Momentes einzufangen, geschweige denn, zu sortieren. So lange, bis sie Hände an ihrem Venushügel spürte. Diesmal war sie sicher: Es waren die Hände von Dr. Nolte. Endlich.

Er bereitete die Baronin vor, testete ihre Feuchtigkeit und stiess mit seinem harten Schwanz in ihre Pussy. Der chaotische Gemütszustand, in welchem sich die Baronin befand, driftete immer mehr in Richtung Lust und Erfüllung. Zufriedenheit darüber, dass sie endlich Dr. Nolte in ihr wusste, den begehrenswerten Mann vom Ball, der eigentlich noch immer ein Fremder war. Nach wenigen Stössen, den sie in beiden Zugängen gleichzeitig spürte, spritzte Dr. Nolte in ihr ab, mit einem dunklen Klang der Wollust aus seiner Kehle.

Das Kapitel endete. 

Lila, das war der Name der Transsexuellen, die Elly mal als Rache aufgeboten hatte, als ich ein zweites „weibliches Wesen“ für unser Spiel verlangt hatte. Jetzt war es meine subtile Retourkutsche von mir an Elly, in literarischer Form. Und zeitgleich dienten die Zeilen dem Stiften von Unklarheit darüber, was das alles für Paris wohl zu bedeuten hatte.

Um 17:37 traf der TGV im Gare de Lyon ein.

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 9. April 2020 13:52

 

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