Ampelcode und Safeword – Sinn oder Unsinn?

Jeder BDSM Anfänger, egal ob Mann oder Frau, dominant oder devot wird sicher zu Beginn von einigen wohlmeinenden wissenden, BDSM Fachliteratur oder Artikeln im Netz auf das obligatorische Safeword und/oder den Ampelcode hingewiesen.

Zuerst, was ist das?

Das Safeword dient überwiegend dem unterwürfigen Part oder Bottom. Dominante Personen oder der Top können (und sollen) dieses jedoch genauso verwenden. Das Safeword ist praktisch eine Reißleine, die Sub in einer Session ziehen kann. Damit wird jede Aktion beendet. Unwiderruflich! Alles andere wäre nicht mehr einvernehmlich und somit im Sinne des Gesetzgebers eine strafbare Handlung.

ampelcode bdsm
Bildquelle: Adobe Stocks

Der Ampelcode signalisiert, ob es gerade angenehm oder unangenehm ist.

Grün = alles okay, es ist noch Luft nach oben.
Gelb = es ist okay aber nicht härter.
Rot = es ist zu viel! Pause oder sanfter weiter oder Abbruch (das ist Absprache)

Soweit also die Bedeutung der Begriffe. Anzumerken sei, dass in Clubs oder bei Events das Safeword für jeden immer MAYDAY lautet (auch international) und sollte kein Abbruch geschehen, werden andere eingreifen.

Sinn oder Unsinn?

In meinem BDSM sind mir einige Subs begegnet, die auf ein Safeword und auf die Ampel verzichtet haben. Auf der einen Seite begründen sie das mit dem Wunsch sich komplett fallenlassen zu können und auf der anderen Seite mit dem Anspruch an die Aufmerksamkeit und Empathie ihres dominanten Partners.

Ebenso verhält es sich bei vielen Paaren die lange zusammen sind und gemeinsam BDSM ausleben. Die kennen einander, kennen die Reaktionen und die Körpersprache des anderen. Die können ein „Nein, nein“ von einem NEIN unterscheiden. Hier ist also ein Safeword selten nötig und der Ampelcode oft auch überflüssig.

Nun gibt es aber eben unbekannte Spielpartner oder einen neuen Lebenspartner im BDSM. Hier sollte für Anfänger oder wenn nur ein Part Anfänger ist, das Safeword und/oder der Ampelcode durchaus seinen Platz haben. Denn klar, man tastet sich vorsichtig heran und die Ampel kann zu Beginn bei vielen SM Praktiken wertvolle Hinweise auf die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit geben. Und auch bei aller Vorsicht gelingt es nicht immer gleich auf Anhieb perfekt und wenn dann jemand die Möglichkeit hat, kurz ein unmissverständliches Zeichen zu geben, ist das sicher gut und richtig.

Nur eine vermeidliche Sicherheit?

Doch ich möchte auch warnen, denn die Absprache ein Safeword zu benutzen kann den dominanten Part auch in falsche Sicherheit wiegen. Denn wenn Sub fliegt, im Subspace ist (also im Rausch durch körpereigene Opioide), dann ist Sub gar nicht mehr fähig ein Safeword oder den Ampelcode zu benutzen. Sub ist zu diesem Zeitpunkt unzurechnungsfähig. In diesen Minuten liegt für alles was passiert, die Verantwortung eindeutig beim dominanten Part.

Eigenverantwortung und falsche Sicherheit
Bildquelle: Nino Carè – Pixabay

Man sollte also zu Beginn einer neuen BDSM Beziehung, egal ob Partnerschaft oder Spielbeziehung, ein Safeword und den Ampelcode vereinbaren, wenn man sich damit besser fühlt. Und vorsichtig sein, wenn das Gegenüber solche Dinge vehement ablehnt. Denn das kann oft ein Hinweis auf maßlose Selbstüberschätzung sein. Wer wirkliche Erfahrung hat, wird gerade einem Anfänger das Safeword lassen, damit es ihm/ihr Sicherheit gibt.

Das Slowword

Ich selbst bevorzuge für meine Spanking-Sessions ein vorher vereinbartes Handzeichen oder Slowword. Welches  genau wie das Safeword der einfachen, unmissverständlichen Kommunikation zwischen Dom/me und Sub in einer Session dient. Fällt das Slowword in einer Session, wird nur die aktuelle Handlung abgebrochen jedoch nicht die ganze Session. Meine devote Partnerin kann so signalisieren, dass Sie z.B. ihre Schmerzgrenze erreicht hat und die Aktion nicht mehr erotisieren kann – was durchaus von ihrer Tagesform abhängig ist.

Das Slowword ist für mich ein Mittelweg zwischen Ampelcode und Safeword und der Einfachheit wegen ist es bei mir das Wort Rot und hat wenig von einem Topping form the bottom.

Ist Sub geknebelt und fixiert kann diese Funktion ein kleiner Gegenstand, wie z.B. ein kleiner Ball übernehmen. Lässt Sub diesen Gegenstand fallen wird die Aktion unmittelbar abgebrochen. Diese Vorgehensweise funktioniert nach meinen Erfahrungen auch im Subspace, da hier oft die Muskelspannung nachlässt und der Gegenstand zu Boden fällt. Natürlich beruht diese Beobachtung auf mein persönliches Erleben im BDSM und ist für euch vielleicht eine interessante Anregung für die eigenen Sessions im BDSM?

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